Nach zwei Tagen auf dem Campingplatz Sorø Sø müssen wir Abschied nehmen von unser kleinen, feinen Hütte. Die erste große Etappe steht an. Etwa 35 Kilometer liegen vor uns. Das Wetter ist relativ durchwachsen, wolkig, aber trocken und vor allem einigermaßen windstill. Die äußeren Bedingungen passen also.

Während Alex den Schlüssel abgibt und bezahlt, werde ich von einer Dänin mittleren Alters angesprochen. Sie ist beeindruckt von unseren Gespannen und fragt, wohin wir fahren wollen. Ich erzähle ihr, dass wir zur Hochzeit nach Bisserup wollen. Sie wäre mit ihrem Mann gestern in der Nähe gewesen. Sehr schön sei es dort. Schon allein die Fahrt dorthin wäre traumhaft. Sie empfehle uns deshalb die Margeriten-Route zu nehmen, die ab Sorø ausgeschildert sei. Diese führt über kleinere Nebenstraßen und entlang am Tystrup Sø. Man habe eine so tolle Aussicht auf den See, versicherte sie uns.

Wir entschließen uns tatsächlich diese Route zu nehmen, da unsere ursprünglich ausbaldowerte Strecke uns entlang großer Hauptstraßen geführt hätte. Nach einem kurzen Zwischenstopp an der örtlichen Tankstelle, um noch einmal ordentlich Druck auf alle Reifen zu geben, kann unsere erste Etappe endlich starten. Durch unseren Start am späten Vormittag erhoffen wir uns, den ersten Teil der Strecke während des Vormittagsschlafs von Cyclekid fahren zu können. Der Plan geht auf: Kurz hinter der Tankstelle schläft Junior tief und fest. Nun werden wir eine gute Stunde oder länger ohne Zwischenstopp fahren können.

„Rauf und runter, mit vielen fiesen Anstiegen.“

Ein letztes Mal geht es durch Sorø „City“, vorbei an der Akademi in Richtung Süden. Schon bald wollen mir die Sätze meines Freundes Fabian, die er mir vor Reiseantritt mit auf den Weg gab, nicht mehr aus dem Kopf gehen: „Dänemark ist nicht so flach, wie es auf der Karte aussieht. Da geht es rauf und runter, mit vielen fiesen Anstiegen.“

Bereits nach wenigen Kilometern zieht sich die Straße hinter Frederiksberg leicht, aber stetig bergauf. Trotz Anhänger ist dieser Streckenteil gut zu bewältigen. Endlich biegen wir auf den landschaftlich schönen Teil in Richtung Tystrup Sø ab. In rasanter Fahrt geht einige hundert Meter bergab, worauf ein ebenso langer Gegenanstieg folgt. Der Schwung reicht knapp bis zur Hälfte des Gegenhanges. Während Alex mit unserem Gepäckanhänger einigermaßen flott an mir vorbeizieht, muss ich aufgeben und die restlichen Meter bis zur Kuppe schieben. Zu schwer ziehen das Gepäck und vor allem der gut beladene Kinderanhänger.

Eine kurze Trinkpause und weiter geht die wilde Fahrt. Kilometer machen, solange das Kind selig schlummert. Der Streckenverlauf lässt das aber kaum zu. Der skandinavische Eispanzer hatte in der letzten Kaltzeit hier ganze Arbeit geleistet. Kleine Hügel reihen sich aneinander. Ein kräftezehrendes Auf und Ab. Irgendwann muss ich wieder runter vom Rad und schieben.

Mittagspause mit tierischer Gesellschaft

 

Pause mit Katze
Pause mit Katze

Einen malerischen Rastplatz mit einem wunderbaren Blick über den See müssen wir leider links (eigentlich rechts) liegen lassen, weil unser Kind weiterhin schläft. Kaum fünf Minuten später wacht er auf und vermeldet nur wenig danach, dass ihm eine Mittagspause gerade recht käme. Gegenüber eines einzelnen Bauernhofs finden wir schließlich in einem Waldstück eine schattige Wiese, die uns geeignet scheint.

Unser Filius ist sehr erleichtert, sich endlich wieder bewegen zu dürfen und vor allem etwas zu essen zu bekommen. Kurze Zeit später bekommen wir Besuch von drei kleinen Katzen, die sich neugierig alles anschauen und beschnuppern. Das neugierigste Kätzchen lässt sogar streicheln. Als wir jedoch wenig später auch noch Besuch von Ameisen bekommen, die fröhlich an unseren Beinen empor krabbeln, beschließen wir die Fahrt schnell fortzusetzen.

Auf flacher Strecke dem Ziel entgegen

Ab Fuglebjerg wird das Relief flacher und die Straßen breiter. Damit nimmt auch der Verkehr leicht zu. Erfreulicherweise überholen uns alle Kraftfahrzeuge in gebührenden Abstand. Als wir das Örtchen Sandved erreichen, beginnt es zu regnen. Eine gute Gelegenheit für eine weitere Pause. Unser Cyclekid hat seine zweite Schlafeinheit für heute beendet und verlangt wieder nach Essbarem. Im örtlichen Supermarkt werden wir fündig.

Der Regen entpuppt sich als kurzer Schauer, so dass wir die Fahrt ohne Regenklamotten fortsetzen können. Bis Bisserup sind es jetzt noch 8 km. Eine gute halbe Stunde später hatten wir den Campingplatz von Bisserup erreicht. Inklusive aller Pausen haben wir knapp fünf Stunden für die Fahrt gebraucht. Trotz aller Anstrengungen hielt sich die Erschöpfung in Grenzen.

Für eine Nacht werden wir hier nun unser neues Tunnelzelt aufschlagen. Wir waren schon gespannt, wie die erste Nacht im Zelt mit und für unser Cyclekid sein wird.

Camping Bisserup
Unsere erste Nacht im neuen Zelt

 

Impressionen aus Bisserup

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Streckenkarte

  • Bisserup Das kleine Fischerdorf liegt an der Südküste Sjællands. Mehr als 500 Einwohner leben im zur Gemeinde Slagelse gehörden Ort. Zentrum von Bisserup ist der kleine, aktive Fischereihafen. Bisserup ist bekannt für seine einzigartige Kunstszene.
  • Urlaub in Bisserup Der Ort eignet sich prima für alle Erholungssuchenden. Ruhe und Natur erwarten einen. Größere Ortschaften wie Næstved sowie weitere Ausflugsziele wie der Freizeitpark Bonbonland sind von Bisserup aus schnell erreicht. Der Campingplatz in Strandnähe ist klein, verfügt aber über eine sehr gute Grundausstattung: Kinderspielplatz, zwei Küchen mit Gasherden und neben den "normalen" Duschen gibt es auch ein Familienbad. Im kleinen Shop bekommt man alles Nötige. Es geht familiär zu. Wer lieber ein festes Dach über dem Kopf haben möchte, dem sei eines der zahlreichen Ferienhäuser empfohlen.

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