Lastenräder – Eine Alternative zum Kinderanhänger?

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Transportrad
(Quelle: Aleksander Slota/VCD)

Sie gelten als die SUV unter den Fahrrädern. In Holland und Dänemark gehören sie seit Langem zum alltäglichen Straßenbild und auch bei uns sind sie immer häufiger in den größeren Städten zu sehen: Lastenräder. Sie sind umweltfreundlich, praktisch und sparen im Vergleich zu einem Auto viel Geld. Auch für den Transport von kleinen Kindern erfreuen sich die Räder hierzulande wachsender Beliebtheit.

 

 

 

Es gibt verschiedene Modelle vom „normalen“ Zweirad mit festen Transportvorrichtungen vorne und/oder hinten über Zweiräder mit verlängertem Radstand vorne oder hinten bis hin zu Dreirädern mit großer Transportfläche vorne oder hinten. Zum wetterfesten Transport von Kindern eigenen sich zwei Arten: zweirädrig mit vorne befindlichen Transportfläche bzw. -box oder die dreirädrige Variante. Für welche Variante man sich entscheidet, ist Geschmackssache.

Holländisch unterwegs

Der Klassiker unter den einspurigen, sprich zweirädrigen, Lastenräder ist das „Bakfiets“. Vorbild dafür sind die holländischen Bäckerfahrräder. Ihr große Vorteil liegt in der Wendigkeit und Leichtigkeit. Liegen sie einmal in der Spur, kommt man mit ihnen fix voran und schlängelt sich mühelos am Stau vorbei.

Dänisch gemütlich

In unserem nördlichsten Nachbarland erfreuen sich die dreirädrigen Lastenräder großer Beliebtheit. Ihr Vorbild ist das im Kopenhagener Stadtteil Christiania entwickelte Trike. Die neusten Modelle sehen nicht mehr aus wie ein überdimensioniertes Dreirad. Sie verfügen über Neigetechnik, USB-Anschluss und weitere technische Gimmicks. Viele überzeugt vor allem die Stabilität und Standfestigkeit. Dafür muss mehr Gewicht in Kauf genommen werden.

Lastenrad
Regensicherer Transport von Kindern

Kindertransport

Fast alle Modelle können für den Transport von kleinen Kindern ausgestattet werden. Es gibt Befestigungen für den MaxiCosi, sogar mit Isofixhalterung, Kleinkindsitze oder für die Größeren lassen sich Sitzbänke montieren. Bis zu vier Kinder können – je nach Modell – durch die Gegend kutschiert werden. Und das sehr sicher. Laut einer Studie des ADAC ist ein Lastenfahrrad die sicherste Form seine Kinder per Rad mitzunehmen.

Flott voran mit Motor

Ein Nachteil der Lastenräder, ob nun mit zwei oder drei Reifen, ist sicherlich die große Masse die bewegt werden muss. Daher gibt es die meisten Modelle auch mit Elektroantrieb. Der erlaubt nicht nur höhere Geschwindigkeiten, sondern auch mehr, sprich schwerer, transportieren zu können. Bis zu 300 Kilogramm lassen sich mit einem Lastenrad so mühelos transportieren. In Hamburg beispielsweise liefert eine große schwedische Möbelhauskette ihre Waren schon per Lasten-E-Bike aus.

Doch ein Elektromotor treibt den Preis für ein neues Rad nochmals in die Höhe. Zwischen 1000 und weit mehr 6000 Euro kostet ein neuer Transporter – je nach Ausstattung und Zubehör. Dafür lassen sich neben jeder Menge CO2, auch noch eine Stange Geld einsparen. Laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) liegt die jährliche Ersparnis im Vergleich zu einem VW Polo 1.4 TDI bei fast 3300 Euro.

Alltagstauglichkeit

Lastenfahrräder dürfen wie alle anderen Räder auf Radwegen fahren. Mit entsprechender Beleuchtung können sie sogar am Straßenrand geparkt werden. Auf jeden Fall sollte das Rad mit einem hochwertigen Schloss gesichert werden. Sogar in manchen Zügen der Deutschen Bahn darf ein Transportrad mitgenommen werden. Voraussetzung sind zwei Tandemstellplätze und die entsprechende Reservierung dieser. Viele Regionalverbände verbieten allerdings die Mitnahme der Räder.

PATRIA PICKUP faltbares E-Lastenrad
Das faltbare E-Lastenrad gewann den Eurobike Award 2015 (Quelle: Messe Friedrichshafen)

Alternative zum Kinderanhänger?

Vieles spricht für das Lastenrad, einiges aber auch für einen Kinderanhänger. In Puncto Sicherheit liegen die Lastenräder leicht vor den Anhänger. Der ADAC begründet sein Testergebnis vor alllem damit, dass man seine Kinder jederzeit im Blick hat. Und auch die Kinder sehen durch ihren Sitz in der ersten Reihe bestens.

Ebenso entfällt das mitunter lästige Ankoppeln des Anhängers. Das Transportrad ist sofort einsatzbereit. Je nach Transport-Modell ist man deutlich flotter unterwegs als mit dem Anhänger. In der Regel mindert jedoch das große Gewicht der Transporter die Geschwindigkeit.

Dafür hält das Transportrad ein viel höhere Kapazität bereit, neben dem eigenen Kind auf noch weitere Dinge transportieren zu können. Bei den meisten Kinderanhängern beschränkt sich die zulässige Zuladung auf 40 bis 50 Kilogramm. Die meisten Lastenräder kommen problemlos mit 75 Kilogramm und mehr zurecht. Zudem steht mehr Transportfläche zur Verfügung.

Den größten Pluspunkt kann der Kinderanhänger im Preis verbuchen. Während die Preise zwischen 100 und 1000 Euro rangieren, muss man für ein Lastenrad deutlich tiefer in die Tasche greifen. Hier geht es ab 1000 Euro los.

Ein zusätzlicher Vorteil des Anhängers: Er lässt sich von verschiedenen Rädern ziehen. Papa bringt die Kinder morgens in die Kita, lässt den Anhänger dort stehen und Mama kann sie nachmittags damit nach Hause fahren. Je nach Wohnlage lässt sich ein Anhänger mitunter einfacher verstauen als ein Lastenrad.

Es gibt also einiges zu bedenken, für welche Variante sich fahrradbegeisterte Eltern entscheiden. Neben den Kosten ist es vor allem die Praktikabilität und das Nutzungsverhalten. Wer auf der Suche nach einer praktischen und günstigen Transportalternative allein für die Kinder ist, der ist auf jeden Fall mit einem Kinderanhänger besser beraten. Vor allem für Großstädter, die dauerhaft auf das Auto verzichten möchten, ist die Anschaffung eines Lastenrades eine überlegenswerter Alternative.

Fazit

Die Renaissance der Lastenräder kommt nicht von ungefähr. Ob auf zwei oder drei Rädern ist man auf jeden Fall günstig und umweltfreundlich unterwegs. Nicht nur für Eltern kleiner Kinder sind Transporträder eine Überlegung wert. Wer sich noch nicht sicher ist, ob sie oder er in einen neuen Transporter investieren möchte. Viele Händler bieten ausführliche Beratungen an. Außerdem gibt es in den meisten Großstädten Lastenräder im Sharing-System.

 

INTERAKTION

Wie sind eure Erfahrungen mit Lastenrädern? Wer hat vielleicht schon beides – Transportrad und Fahrradanhänger ausprobiert? Was ist euch wichtig? Nutzt gerne die Kommentarfunktion!

 

Wer noch mehr zum Thema lesen möchte, findet hier nette Geschichten und weitere Informationen:

Eine vierteilige Geschichte zum Kauf eines Transport-Fahrrads (Spiegel Online; 2015)

Im Test: Trettaxis für den Nachwuchs (Spiegel Online; 2010)

Die Geschichte des Lastenfahrrads

Ausführliche Informationen des Verkehrsclub Deutschlands (VCD) zu Lastenrädern

Initiative des VCD: Lasten auf die Räder! (Einsatz im Wirtschaftsverkehr)

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